Yoga und Resilienz: Was wir von der Bhagavad Gita über innere Stärke lernen können
- Lisa Tobschall

- 12. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein Schlachtfeld.Die Anforderungen prasseln auf dich ein, du willst funktionieren, aber innerlich spürst du Widerstand. Zweifel, Überforderung, Erschöpfung.Und dann kommt dieser Moment der Stille – vielleicht in der Meditation, vielleicht in einer Yogastunde – und du erinnerst dich: Du hast die Kraft, mitten im Chaos ruhig zu bleiben.
Die Frage ist: Wie lernen wir, im Sturm handlungsfähig zu bleiben? Die Antwort darauf liegt in einer der ältesten Schriften der Welt – der Bhagavad Gita.
Die Bhagavad Gita: Ein uraltes Lehrbuch für moderne Krisen
Die Bhagavad Gita ist ein spiritueller Dialog zwischen dem Krieger Arjuna und dem Gott Krishna.Arjuna steht auf dem Schlachtfeld, innerlich zerrissen: Er will seiner Pflicht folgen, aber alles in ihm sträubt sich.Er fragt sich, was richtig ist, wie er handeln soll, und ob er dieser Situation gewachsen ist.
Kommt dir das bekannt vor? Diese innere Zerrissenheit ist das, was wir heute „Stress“ oder „Überforderung“ nennen.
Krishna antwortet ihm sinngemäß:
„Führe dein Handeln aus, aber sei nicht an den Früchten deines Handelns gebunden.“(Bhagavad Gita 2.47)
Das ist Yoga und Resilienz in ihrer reinsten Form. Nicht das Außen bestimmt unsere Stärke, sondern unsere innere Haltung. Krishna lehrt Arjuna, mitten im Chaos zu handeln, ohne vom Chaos verschluckt zu werden.
Yoga und Resilienz als Haltung: Gleichmut im Handeln
Wenn du auf deine eigenen Krisen schaust – berufliche Konflikte, emotionale Erschöpfung, innere Unruhe – dann ist die eigentliche Herausforderung selten das Ereignis selbst. Es ist deine Reaktion darauf.
Die Bhagavad Gita beschreibt Yoga als „Gleichmut im Handeln“ (2.48). Das bedeutet: präsent bleiben, auch wenn es unangenehm wird. Nicht in Ohnmacht oder Aktionismus verfallen, sondern aus Klarheit heraus entscheiden.
In der modernen Resilienzforschung spricht man vom „adaptiven Umgang mit Stress“ – der Fähigkeit, flexibel zu reagieren, ohne die innere Mitte zu verlieren.Genau das ist es, was die Yogis seit Jahrtausenden üben.
Yoga bedeutet nicht Rückzug vom Leben, sondern bewusste Teilnahme.
Meditation: Klarheit im inneren Sturm
Meditation ist kein Luxus, sondern ein Werkzeug für innere Führung.Wenn du regelmäßig meditierst, lernst du, deine Gedanken zu beobachten, anstatt dich von ihnen mitreißen zu lassen.Du trainierst dein Nervensystem, in Balance zu bleiben – auch, wenn dein Umfeld es nicht ist.
Studien zeigen, dass Meditation die Aktivität im präfrontalen Cortex stärkt – dem Teil des Gehirns, der für Selbstregulation, Fokus und Mitgefühl zuständig ist. Gleichzeitig reduziert sie die Stressreaktionen in der Amygdala.
In Coaching-Sprache bedeutet das:Du gewinnst einen Moment zwischen Reiz und Reaktion.Und genau in diesem Moment liegt deine Freiheit.
„Resilienz beginnt da, wo du aufhörst, automatisch zu reagieren.“
Meditation hilft dir, diesen Raum wahrzunehmen – und ihn zu nutzen, um bewusst zu handeln, statt getrieben zu sein.
Körperarbeit: Stärke durch Kundalini Yoga
Resilienz ist nicht nur Kopfsache. Sie ist tief im Körper verankert. Wenn du gestresst bist, zieht sich dein Körper zusammen. Deine Atmung wird flach, dein Nervensystem geht in Alarmzustand.
Kundalini Yoga – oft als Yoga der Energie bezeichnet – arbeitet gezielt mit Atmung, Bewegung und Klang, um diesen Zustand zu verändern.Es aktiviert dein parasympathisches Nervensystem, stärkt deine Lungenkapazität und hilft, angestaute Energie wieder fließen zu lassen.
Viele meiner Klient:innen berichten, dass sie nach einer Kundalini-Praxis klarer, mutiger und zentrierter sind.Warum? Weil sie den Kontakt zu ihrem Körper wiederfinden – und damit zu ihrer inneren Kraft.
„Wer seinen Körper spürt, findet zurück in die Gegenwart – und damit in seine Stärke.“
Aus Sicht der Polyvagal-Theorie (eine Grundlage moderner Resilienzforschung) ist das kein Zufall:Nur wenn dein Nervensystem Sicherheit erlebt, kannst du klar denken, empathisch handeln und kreative Lösungen finden.Yoga hilft dir, genau diesen Zustand herzustellen – bewusst, jederzeit.
Selbstführung im Sinne der Gita: Verantwortung statt Kontrolle
In der Gita lernt Arjuna, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen – ohne sich in Kontrolle zu verlieren.Das ist eine subtile, aber entscheidende Unterscheidung:Resilienz bedeutet nicht, alles im Griff zu haben, sondern mit dem Leben im Dialog zu bleiben.
Wenn du versuchst, jede Unsicherheit zu eliminieren, verhärtest du.Wenn du lernst, dich ihr bewusst zu öffnen, wächst du.
In meinen Coachings sehe ich immer wieder, wie entscheidend dieser innere Perspektivwechsel ist:Vom „Ich muss das schaffen“ zum „Ich darf lernen, mich zu führen.“Das ist echte Selbstführung – und der Kern der Resilienz.
Resilienz als spirituelle Praxis
Yoga ist letztlich eine Lebenshaltung.Die Bhagavad Gita erinnert uns daran, dass wir nicht nur Körper und Geist, sondern Bewusstsein in Bewegung sind.Resilienz entsteht, wenn du dich wieder mit dieser Quelle verbindest – mit der Kraft in dir, die unerschütterlich bleibt, auch wenn alles andere wankt.
Das ist kein esoterisches Konzept, sondern pure Neurobiologie in spiritueller Sprache:Regulierte Atmung, bewusste Bewegung und stille Präsenz verändern messbar deine körperliche und mentale Stressverarbeitung.
Wenn du das regelmäßig übst, wächst in dir ein Vertrauen, das stärker ist als jede Krise.Du erkennst: Das Leben passiert nicht gegen dich, sondern für dich.Und du beginnst, dich selbst als Teil eines größeren Ganzen zu erfahren.
Dein erster Schritt: Zurück in die Verbindung
Vielleicht möchtest du direkt etwas ausprobieren. Setz dich für einen Moment bequem hin, schließe die Augen und atme tief ein. Spüre deinen Körper – ohne ihn verändern zu wollen. Mit jedem Atemzug lass etwas mehr Spannung los.
Dann frag dich:
„Was ist jetzt wirklich wesentlich?“
Diese einfache Übung kann ein Anfang sein. Ein erster Schritt zurück in die Verbindung – zu dir selbst, zu deinem Atem, zu deiner inneren Führung.
Denn das ist, was Yoga uns lehrt: Wahre Resilienz entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Bewusstheit.
Fazit: Im Chaos handlungsfähig bleiben
Die Bhagavad Gita ist mehr als ein spiritueller Text – sie ist ein Handbuch für innere Stabilität in unsicheren Zeiten. Krishna erinnert Arjuna (und uns alle) daran, dass wir immer eine Wahl haben: Wir können in der Angst erstarren – oder wir können handeln, mit klarem Geist und offenem Herzen.
Das ist Yoga. Das ist Resilienz. Und das ist die Haltung, die dich im Chaos handlungsfähig bleiben lässt.
„Handle aus deiner Mitte heraus. Lass dich nicht vom Ergebnis bestimmen. Das ist Yoga.“(Bhagavad Gita 2.48)


%20(250%20x%20350%20px)%20(350%20x%202.png)


