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Burnout bei Männern: Wenn „Starksein“ krank macht

  • Autorenbild: Lisa Tobschall
    Lisa Tobschall
  • 5. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Warum so viele erst reagieren, wenn es fast zu spät ist

Mann vor Ubahn
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe stellte in einer Erhebung fest, dass rund 70 % der Männer ihre psychischen Symptome zunächst ignorieren oder bagatellisieren.
„Ich war doch nur wegen meinem Blutdruck beim Arzt. Jetzt soll ich plötzlich Burnout haben?“

Diesen Satz habe ich schon oft gehört – meistens von Männern. Sie sitzen mir im Coaching gegenüber, leicht verlegen, mit einem Lächeln, das sagen will:

„Eigentlich bin ich ja ganz stabil. Aber meine Ärztin meint, ich soll mal mit jemandem reden.“

Als ich vor einigen Jahren meine Ausbildung zur Resilienztrainerin und systemischen Coach gemacht habe, dachte ich noch: Wahrscheinlich arbeite ich hauptsächlich mit Frauen.Schließlich sagt man uns Frauen ja nach, wir seien überlasteter, reflektierter, emotionaler, offener.

Aber: Das war Schubladendenken. Und falsch.

80 % meiner Klienten sind Männer.

Nicht, weil sie von sich aus Hilfe suchen – sondern, weil es irgendwann nicht mehr anders geht. Der Körper meldet sich. Die Beziehung steht auf der Kippe. Der Chef (oder die Chefin) äußert Sorge. Und plötzlich wird aus einem überarbeiteten Alltag ein medizinischer Befund: Burnout.

Warum Burnout bei Männern oft zu spät erkannt wird

Burnout hat kein Gesicht. Keine einheitlichen Symptome. Und keine Alarmglocke, die schrillt, wenn man die Grenze überschreitet.

Vor allem Männer neigen dazu, Warnzeichen zu ignorieren – oder gar nicht zu erkennen:

  • Dauerstress wird mit „normalem Berufsleben“ verwechselt

  • Erschöpfung mit „bin halt keine 20 mehr“

  • Gereiztheit mit „die anderen nerven halt“

Dazu kommt ein hartnäckiges gesellschaftliches Bild:Männer sollen stark sein. Nicht jammern. Nicht zweifeln. Nicht schwächeln.

Diese toxische Vorstellung von Männlichkeit  für zu Burnout bei Männern – dieses „Augen zu und durch“ – führt dazu, dass viele Männer sich selbst und ihre Bedürfnisse jahrelang übergehen.

Leistung statt Pause? Willkommen im Burnout-Modus

In vielen männlich geprägten Berufsfeldern – vor allem in der Medienbranche, in der ich selbst viele Jahre gearbeitet habe – wird Leistung gefeiert und Pause belächelt.

Ich kenne das gut. Ich habe selbst 60-Stunden-Wochen geliebt. Kreative Konzepte geschrieben, ständig unterwegs gewesen, jede Woche ein anderer Dreh.Und irgendwann in einer Philosophie-Vorlesung kam sie: meine erste Panikattacke.

Burnout fühlt sich oft nicht wie Burnout an

Ein Herzrasen hier, eine schlaflose Nacht da. Konzentrationsprobleme. Gereiztheit. Kopfschmerzen. Magenbeschwerden. Klingt nicht nach Burnout? Doch genau so zeigt er sich oft.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe stellte in einer Erhebung fest, dass rund 70 % der Männer ihre psychischen Symptome zunächst ignorieren oder bagatellisieren. Viele suchen erst Hilfe, wenn der Leidensdruck körperlich spürbar ist – oder wenn die Partnerin den Termin beim Arzt macht.

Burnout bei Männern: Zahlen & Fakten

  • Laut dem DAK-Gesundheitsreport 2023 sind Männer zwischen 35 und 55 besonders häufig betroffen – vor allem in Führungspositionen.

  • Männer nehmen seltener psychologische Hilfe in Anspruch als Frauen, obwohl sie genauso häufig betroffen sind.

  • Job, Familie und gesellschaftliche Rollenbilder treffen auf einen wunden Punkt: das Bild vom „starken Mann“, der funktionieren muss.

Was ich in meinem Coaching sehe

Viele Männer, die zu mir kommen, wirken nach außen souverän. Erfolgreich. Belastbar.

Aber wenn wir anfangen zu arbeiten, kommt oft etwas ganz anderes zum Vorschein:

  • Das Gefühl, nicht genug zu sein, obwohl sie objektiv alles haben.

  • Der Druck, immer funktionieren zu müssen – als Vater, Chef, Partner.

  • Die Angst, als schwach zu gelten, wenn man mal innehält.

  • Und oft: ein extrem schlechter Zugang zu den eigenen Gefühlen – nicht, weil sie gefühllos wären, sondern weil sie es nie richtig lernen durften.

In meinem Resilienz-Coaching arbeiten wir daran, die Verbindung zum eigenen Körper, zu den eigenen Bedürfnissen, wiederherzustellen.Oft geht es um Erlaubnis:Sich selbst erlauben, zu fühlen. Und zu handeln.

Was du tun kannst – und was du lassen solltest

Frühwarnzeichen ernst nehmen:

  • Du bist ständig erschöpft, aber kannst nicht schlafen?

  • Du hast weniger Freude an Dingen, die dir früher Spaß gemacht haben?

  • Du bist gereizter, ungeduldiger, dünnhäutiger?

Dann: Stop. Und hinsehen.

Hol dir Hilfe – das ist keine Schwäche

Ein Coaching, eine ärztliche Beratung oder ein guter Resilienz-Workshop sind kein Eingeständnis von Versagen.Sie sind der Anfang von echter Stärke.

Fazit: Burnout ist keine Schwäche. Es ist ein Warnsignal.

Männer dürfen müde sein. Sie dürfen zweifeln, Fragen stellen, sich Hilfe holen.

Burnout ist keine Modeerscheinung, sondern ein schleichender Prozess – und oft ein Aufruf zur Veränderung.

Ich habe gelernt:



Resilienz ist nichts, was man einfach hat. Aber man kann sie lernen. Schritt für Schritt.

 
 

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Telefon: 0176 81175654
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